Andreas Otter
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Cover: Eryleion

Fantasy

Eryleion

»Was zunächst wie ein Traum erscheint, entpuppt sich als bittere Realität.«

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Klappentext

Die Freunde Daniel und Frank erwachen in einer fremden Welt, ohne zu wissen, warum sie hierhergelangt sind. Obwohl sie von einem faszinierenden Reitervolk aufgenommen werden, erfahren sie auch von ihm nichts über die Umstände ihrer Anwesenheit.

Schließlich brechen sie auf, um einen geheimnisvollen Weisen und somit die Antworten auf all ihre Fragen zu finden. Doch die lange Reise trennt die beiden Freunde und bringt sie in große Gefahr.

Ein Schatten hat sich in dieser Welt festgesetzt, der die Existenz der beiden Fremden fürchtet. Das Dunkel ist aber nicht die einzige Macht, die Daniel und Frank beobachten lässt.

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Kapitel 1

Syrene, das weiße Pferd hob erschrocken seinen Kopf. Verwirrt sah es sich um, doch nichts deutete auf etwas Ungewöhnliches hin. Da ließ ein weiteres Knacken des Unterholzes die Vögel des riesigen Waldes aufschrecken und in Scharen davonfliegen. Tatsächlich musste sich ein Eindringling Zugang in diese blühende Welt verschafft haben, denn wer sonst könnte die vielen Bewohner derart erschrecken? Niemand kannte diesen Ort, niemand, außer ...

»Trom!«, rief das Pferd, dessen weißes Fell alle Farben des durchaus bunten Waldes mühelos überstrahlte. Deutlich sah es die Verwunderung im Gesicht seines Gegenübers.

Der Angesprochene, ein Elf, trat hinter einem Busch hervor und stand nun demütig und mit gesenktem Haupt vor dem Pferd. Er war höchstens halb so hoch wie ein Mensch, trug grüne Kleider und seine markanten, großen Ohren stachen auffällig aus einem Busch schwarzer Haare hervor.

»Trom!«, wiederholte Syrene aufmunternd. »Komm doch näher!«

Der Elf tat, wie ihm befohlen, und hob nun zum ersten Male seinen Kopf. Das, was Syrene in seinem Blick erkannte, ließ es erschauern. »Besucht mich mein Kundschafter, um eine schlechte Nachricht zu überbringen?«

Der Elf nickte. Es dauerte eine Weile, bis er sich an die Anwesenheit des Pferdes gewöhnt hatte. Lange war er schon Kundschafter für das allmächtigste Wesen, doch nie konnte er sich damit vertraut machen, das wie von Zauberhand erschaffene, göttlich wirkende Pferd vor sich zu wissen. Er würde diese seltenen Augenblicke der Begegnung mit ihm nie vergessen.

Diesmal war der Grund seines Besuches jedoch alles andere als erfreulich. Den gesamten Weg hierher hatte der Elf darüber nachgedacht, wie er die Nachricht geschickt verpacken könnte, ohne sein Oberhaupt gleich zu Beginn vollends zu schockieren. Da die Situation aber sehr ernst war, lag es an ihm, das Geschehene nicht zu nachsichtig zu schildern. »Ich habe tatsächlich eine schlechte Botschaft für dich. Das Ausmaß veranlasste mich, dich sofort aufzusuchen.«

Syrenes Augen blitzten ungeduldig. Es kannte Trom und wusste, dass er diesen Ort niemals ohne Grund aufsuchen würde. »So sprich!«

Mutig sah ihm der Elf in die Augen. »Es betrifft ein Fischerdorf am Dassasee. Sämtliche Einwohner wurden getötet wie Schlachtvieh – das Dorf existiert praktisch nicht mehr.«

Verdutzt sah Syrene zu seinem Botschafter. »Das ist wahrlich eine grausame Tat, doch geschieht dies nicht immer wieder allerorts in diesem grenzenlosen Land?«

Nun musste Trom deutlicher werden. »Ich meinte: ALLE Einwohner wurden massakriert!«

Das Pferd hielt inne. Sollte dies stimmen, war das Ausmaß wahrlich ungewöhnlich.

»Ich dachte mir, du würdest es selbst sehen wollen«, sagte Trom leise und ging noch einige Schritte auf sein Gegenüber zu. Als Syrene nickte, wusste er, dass er richtig gehandelt hatte.

Was nun folgte, kannte er nur aus den Erzählungen seines Vaters. Das Pferd öffnete seine riesigen blendend weißen Flügel und erhob sich scheinbar mühelos und majestätisch in die Lüfte. Trom musste seinen Hut festhalten, der vom Sog der Flügelschläge fast in den nahe liegenden Bach gefallen wäre. Nein, das hatte er tatsächlich noch niemals gesehen, und er wusste jetzt schon, diesen ergreifenden Augenblick nie mehr vergessen zu können. Als wäre es jedoch nicht genug gewesen, forderte ihn Syrene auf, sich zu ihm hochzuziehen und sich auf seinen Rücken zu setzen. Wie betäubt tat er, wie ihm geheißen, und erlebte, was vermutlich nur wenigen zuvor widerfahren war: Die Welt von oben zu sehen, so wie es nur den Vögeln erlaubt war.

Dichter Nebel stieg aus den völlig zerstörten und teils verbrannten Ruinen des ehemaligen Dorfes. Trom staunte, dass nicht einmal die Hufe des weißen Pferdes schmutzig wurden, als es über die zahllosen Bretter und Steine stieg, die aus der Kohlenschicht ragten. Seine Augen waren auf diejenigen gerichtet, die in diesem Inferno ihr Leben gelassen hatten. Verstümmelt und zuvor offensichtlich gefoltert verbreiteten die Leichen der Bewohner schon jetzt einen bestialischen Gestank. Der Grund, warum Syrene diesen Ort persönlich besuchen musste, war nun offensichtlich. Nicht nur Männer und Frauen lagen neben- und übereinander, sondern auch Kinder. Diese Tatsache trieb Syrene Tränen in die Augen. Niemals zuvor war dies in Eryleion geschehen, niemals zuvor hatte ein Bewohner dieses grenzenlosen Landes Hand an jene gelegt, die die Zukunft allen Lebens symbolisierten. Kinder jeden Alters lagen teils unter ihren Eltern, viele mit aufgerissenen Augen und ewig verbleibendem, panischem Gesichtsausdruck.

Offenbar war eingetreten, was das Pferd schon immer befürchtet und den Zeitpunkt seit jeher verwünscht hatte. Entschlossen hob es seinen Kopf und wandte sich zu Trom. »Es war wichtig, mich hierherzuholen.«

Trom nickte zustimmend, obwohl er noch nicht wusste, welche Ausmaße dieser Überfall letztendlich hatte.

Derweil sah ihn Syrene noch immer an. »Ich gebe dir einen Auftrag höchsten Ranges.«

Nun schluckte der Elf.

»Suche den Fährmann auf und sage ihm, er soll Kontakt zur anderen Welt herstellen. Teile ihm mit, dass das Böse einen Weg zu uns gefunden hat!«

Trom war wie erschlagen. Was seine großen Ohren aufnahmen, ließ ihm eine Gänsehaut entstehen. Nichts würde ihn aufhalten, diesen Auftrag so schnell wie möglich auszuführen.

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