Andreas Otter
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Cover: Shannon Witch. Zeitenwende

Fantasy · Band 3 · Shannon Witch

Zeitenwende

»Ein Fluch, der alles zu zerstören droht. Und ein Mann, der alles opfert.«

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Klappentext

Der finale Kampf um die alte Welt.

Das Gefüge des Hexenclans droht zu zerbrechen. Während Robert mit einem tödlichen Fluch ringt, formiert sich der Innere Kreis neu, mächtiger und gefährlicher denn je. Und während unerwartete Hilfe naht, erhebt sich eine neue Front: Die Polizei steht kurz davor, die verborgene Welt der Mulligans zu enttarnen.

In einem letzten, verzweifelten Kampf stellt sich Robert seinem Schicksal. Für Madeleine, für die Zukunft und für ihr gemeinsames Glück.

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Kapitel 1

Adharfaire

Adharfaire sah am Tag noch viel beeindruckender aus als in der Nacht, auch wenn der Sternenhimmel an Samhuin faszinierende und fast irreale Bilder erzeugt hatte. Allein die Aussicht über die hügelige Landschaft entschädigte mich restlos dafür, mich momentan hier zwangsweise aufzuhalten und um meine Zukunft zu bangen. Adharfaire bedeutete übersetzt ›Himmelssee‹, und diese Bezeichnung traf den Zauber dieses Ortes absolut. Unterhalb eines kleinen Wäldchens lag der gleichnamige See, dessen tiefblaues Wasser mich sofort an die Augen Madeleines erinnerte, wenn das Sonnenlicht ihr vollkommenes Gesicht beschien. Ich konnte die Sherwoods verstehen, dass sie es zutiefst genossen, während der kommenden etwa fünfzehn Jahre hier zu wohnen. Lennox hatte sogar angedeutet, nicht noch einmal umziehen zu wollen, und jeder einzelne dieser Familie respektierte seinen Wunsch. Er liebte die alten Eichen ebenso wie die riesigen Weiden und Linden sowie das Wasser des Sees, das, so sagte er zumindest, einem neugierigen Besucher in stiller Stunde die eine oder andere Geschichte zu erzählen hatte. An sonnigen Tagen konnte man bis zu den Auen des Shannon blicken, oder auch den beginnenden Dunst der steinigen Hügelkette in Richtung Küstengebiet erkennen. Der Ausblick war zwar wunderschön und gleichzeitig faszinierend, doch ich selbst fand die Tatsache umso günstiger, entgegenkommende Fahrzeuge schon einige Meilen vorher zu sehen, bevor sie überhaupt in die Nähe dieses Plateaus kamen.

Einem flüchtigen Ausbrecher musste dies auch das Wichtigste sein, wenn er nicht aufgefunden werden wollte.

Auch wenn Madeleines Wohnung fern war, so erinnerte mich Kayleighs Zimmer durch das Licht der vielen Kerzen durchaus an den Ort, den ich für den Schönsten der ganzen Welt hielt. Doch es war mir eigentlich einerlei, denn Madeleine lag eng angeschmiegt an meinem Körper und hüllte mich in einen Duft aus Moos, süßlichen Wiesenblumen, Kirschblüten und Honig. Es war ihr Geruch, stets das Erste, das ich nach meinem Erwachen roch. Ich war so süchtig nach ihm, dass ich niemals mehr darauf verzichten wollte. Nach zweiundfünfzig Stunden ohne Schlaf war ich viel zu schnell eingenickt. Zwar war ich es gewohnt, dass nur ich schlief und Madeleine wachte, aber hier in Adharfaire kam ich mir ein weiteres Mal vor wie ein Eindringling und schämte mich dafür.

Madeleine bemerkte sofort, dass meine Gedanken noch immer in der Werkstatt und in der Gefängniszelle des Polizeireviers waren. Ihr zärtlicher Kuss konnte mich somit nur kurz ablenken.

»Es ist schön«, kommentierte ich die vielen Kerzen, die im Zimmer verteilt waren. Ihr Lichtschein wurde von Madeleines grellen Augen wie unzählige Sterne reflektiert.

»Du hast im Schlaf von Mick gesprochen!«, flüsterte sie. »Es ist für uns alle ein großer Schock. Cameron wird dafür bezahlen.«

Ich stand auf, umarmte sie und küsste ihre sanften Lippen. »Ich habe Mick gemocht, aber für Cedric muss es ein noch viel größerer Schock sein. Er wird sicherlich viele Fragen haben, von denen wir ihm aber keine einzige beantworten können.«

»Ich weiß, mo grian. Er wird andere Antworten erhalten, auch wenn sie ihn vielleicht nie zufrieden stellen.«

Ich sah, dass ihre Augen schimmerten, und fühlte ihre eigene Traurigkeit. Taktvoll wie sie war, sprach sie nicht mehr über Mick oder Cameron, sondern küsste mich sanft und berührte dabei meine Schläfen. Das tat sie immer, wenn sie mich nahe an sich spüren wollte.

»Ich liebe dich«, flüsterte ich.

Ihre Antwort war ein Kuss, der an Intensität nicht zu überbieten war. Mein Puls raste, als ich ihren Atem auf meiner Haut und meinen Lippen spürte. Als sie ihn beendete, bedauerte ich es sehr, obwohl ich noch immer an Mick denken musste.

Offenbar hatte mir die Zeit in der Zelle doch mehr zugesetzt als gedacht, denn ich hatte offenbar etwas das Zeitgefühl verloren. Und da mein Magen etwas knurrte, entschieden wir, zu den anderen ins Wohnzimmer zu gehen. Dort lächelte mir Lauren im hellen Licht der einfallenden Sonne entgegen, während sie gerade Sullivan stillte und Kayleigh Meggy beim Kochen half.

»Wie war mein Sofa?«, wollte Kayleigh wissen.

»Es ist das schönste Sofa überhaupt. Ich habe schon lange nicht mehr so gut geschlafen.« »Es ist komisch, wenn du so lange schläfst!«

»Kayleigh!«, ermahnte Lauren sie. »Robert schläft einfach länger als wir. Er macht es ja nicht mit Absicht.«

»Oh doch, manchmal schon«, flüsterte ich lächelnd.

Kayleigh grinste mich nochmal an und wandte sich weiter der Küchenarbeit zu. Mein Gefühl, sich wieder in einer Wohnung breit zu machen und ihre Gastfreundschaft entgeltlos auszunützen, verstärkte sich deutlich.

»Ist Patrick schon zurück?«, wollte ich wissen. Meggys Gesicht alleine wäre schon Antwort genug gewesen.

»Ja, aber momentan ist er wieder in Galway. Die Polizei hat keinen Verdacht geschöpft, und deshalb möchte er gerade während der kommenden Tage in seinem Büro für sie erreichbar sein. Das große Rätsel für die Polizei ist die Tatsache, dass du offenbar über Kontakte verfügst, die einem gewöhnlichen Touristen nicht zustehen dürften.«

Wenigstens war ihm nichts passiert, somit war der Plan vollends aufgegangen. Ich hoffte nur, dass Patrick nicht im Nachhinein noch Schwierigkeiten bekommen würde.

Als Madeleine und Eileen nach einer Kontrollrunde etwas später wieder zurückkehrten, waren sie nassgeschwitzt und für ihre Verhältnisse ziemlich außer Puste. Nur Momente später kehrten auch Niall und Ian zurück, und sie sahen nicht weniger erschöpft aus als die beiden Frauen.

»Bis zum Gathrinnon ist alles sauber«, berichtete Ian. »Nicht einmal der Hauch einer Spur war zu erkennen.«

Sie hatten also nach Cameron gesucht. So, wie sie aussahen, musste dieser Gathrinnon sehr weit weg sein. Madeleine küsste mich - selbst jetzt noch konnte ich ihre durch die Jagd und das Auffinden eines Schattens schmäler gewordenen Augen erkennen.

»Sucht ihr denn jeden Tag nach seinem Schatten?«, wollte ich wissen.

»Sogar zwei Mal, aber meistens nachts. Irgendwann wird er sich zu nahe an das Siegel wagen, und dann haben wir ihn.«

Ich hoffte nur, dass Cameron tatsächlich diesen Fehler begehen würde, aber ich glaubte eigentlich nicht daran. Bisher war für ihn alles perfekt gelaufen, und er war beileibe nicht dumm.

Madeleines Blick wirkte trotz ihrer animalischen Auswüchse besorgt, deshalb folgte ich ihr, als sie nach draußen ging. Zu meiner Überraschung saß Lennox unter einer riesigen Linde auf einer Bank. Von dort aus konnte er bis ins Shannontal blicken und mit seinen scharfen Augen selbst Spaziergänger in mehreren Meilen Entfernung erkennen.

Madeleine nahm mich an der Hand und schlenderte mit mir langsam in seine Richtung. Und als mich Lennox mit sanften, unendlich weisen Augen ansah, erinnerten sie mich an die lebenserfahrene Abigail, in deren Blick man so viel von ihrem Leben spüren konnte.

So wie er mich ansah, wollte er mir bestimmt etwas mitteilen.

»Setz dich, Robert«, forderte er mich ruhig auf. Seine Haut war übersät mit Furchen aus beinahe 170 Jahren entbehrungsreichem Leben. Es faszinierte mich so sehr zu wissen, dass er sogar das Ende der napoleonischen Zeit miterlebt hatte. Lennox war ein Zeitzeuge der gesamten neuen Geschichte, belesener als jedes Buch und erfahrener als eine ganze Familie.

»Wie gefällt es dir in Adharfaire?«

»Es ist fantastisch, wie reinste Poesie. Ich beneide dich um diesen Ort, Lennox. Manchmal glaube sogar ich, die gewaltige Kraft dieses Hügels spüren zu können.«

»Du solltest nicht an deinen Fähigkeiten zweifeln, Robert. Wenn du ihn spürst, ist diese Kraft real. Selbst wenn du immer glaubtest, du seist ein Mensch des Verstandes, sehe ich aber, dass du von deinen Gefühlen geleitet wirst. Deine Spiritualität ist ausgeprägter als du es dir eingestehst.«

Darauf konnte ich nichts erwidern, denn seine Worte wirkten wie Felsen in einem tosenden Meer. Ich hätte ihm den ganzen Tag zuhören können, und dabei in seine glasklaren Augen sehen. Er brummte kurz, sah ins Tal hinab und verlor sich darin.

„Du bist verwirrt, weil du nicht weißt, welche Rolle du in diesem Gefüge spielst. Weil du denkst, du seist allen unterlegen. Das kann ich gut verstehen, auch wenn du dich in deinen Gedanken irrst. Hadere nicht mit dir, du kennst uns erst seit einem halben Jahr.«

Dabei lächelte er so herzergreifend, dass es mir warm wurde.

»Nach dem zweiten Weltkrieg gab es eine Gemeinschaft an Jägern, die sich die Wälder des mittleren Shannon nördlich von Limerick unter sich aufteilten«, begann er zu erzählen. Seine Stimme klang tief und trotz seines Alters noch überraschend melodiös. Beinahe stellte es meine Nackenhaare auf, so sehr wurde ich in den Bann dieses Mannes gezogen.

»Da die Menschen nach zwei harten Wintern seit langem wieder hungern mussten, wurde der Wildbestand in dieser Region spürbar geringer, und erst diese Jäger haben schließlich versucht, den meisten der Wilderer und auch denjenigen, die mit diesen Tieren Handel trieben, entgegenzutreten. Natürlich haben sich das Viele nicht gefallen gelassen, und so gab es bald Opfer auf jeder Seite zu beklagen. Die letzten Mitglieder der Jägergemeinschaft entschieden, ihre Tätigkeit nur noch im Schatten der Gesellschaft weiterzuführen und lebten somit inkognito. Dabei trugen sie ein Zeichen an sich, das es nur ihnen erlaubte, sich untereinander zu erkennen: eine Tätowierung an ihren rechten Waden, einen Otter, der einen Fisch verschlingt. Es gilt als Zeichen für die Gemeinschaft, die Tiere unseres Landes zu verteidigen und das Unrecht der Wilderei auszumerzen. Mick war einer derjenigen, die diese Tätowierung an seinem Unterschenkel trug. Er war zwar keiner unserer Blutslinie, aber geistig völlig mit uns verwachsen. Auch du bist mit uns verwachsen, es wird nur eine Zeitlang dauern, bis du es erkennst.«

Langsam legte er mir seine Hand auf meine Schulter. Sofort erfasste mich ein wärmender Strom, der mich augenblicklich beruhigte und mein Herz langsamer schlagen ließ. Es war einfach unglaublich, wie schnell ich meine Aufregung verlor.

»Cameron hat Mick aus zwei Gründen getötet. Der erste ist der, keine Menschen zu akzeptieren, die sehr eng mit uns zusammenleben. Der zweite ist der, dass Mick ein Jäger war, und das ein sehr guter. Wer weiß, vielleicht hat er Cameron sogar auf frischer Tat ertappt.«

Ich fragte mich, warum Lennox mir dies erzählte, gleichzeitig erschütterte es mich, wie sehr ich Lennox vertraute. Lag es an der unbestreitbaren Sicherheit seiner Stimme oder daran, dass ich ihnen allen mittlerweile mehr als allen anderen vertraute? Vielmehr blickte ich in ein neues Leben im Schatten des staatlichen Auges, in der Hoffnung, dass es der ganzen Familie nicht schadete und ich dafür sorgen musste, dass weder Patrick noch meine Befreier jemals aufgrund eines mir bisher unsichtbaren Details doch noch überführt wurden. Das Wichtigste aber war die Sicherheit des Schildes, und dafür mussten die letzten drei des Inneren Kreises schnellstmöglich gefunden werden. Spätestens wenn Cameron erfuhr, dass sein Plan nicht aufgegangen war, würde er den nächsten Schritt wagen. In Lennox’ Augen sah ich genau die gleiche Erkenntnis, nur dass er sie wesentlich früher erkannt hatte.

»Auch Cedric steht uns näher, als er selbst weiß«, fuhr Lennox fort. »Nicht, dass er um unsere Existenz wüsste. Es ist eher die Art zu leben, die ihn mit uns verbindet. Seine Freundlichkeit, sein Humor, seine Liebe zu diesem Land.«

»Du möchtest mir sagen, er könnte die Wahrheit ertragen?«

»Natürlich könnte er das, vielleicht spürte er sie ja bereits seit langem. Cedric spürt sehr viel, und irgendwann werden sich alle Puzzlesteile in seinem Gehirn zusammensetzen.«

»Also rätst du mir, mich ihm anzuvertrauen? Lennox, ich möchte dieses Geheimnis nicht weitererzählen, nicht einmal Großvater. All das hier ist zu wertvoll, eure Familie ist einzigartig auf der gesamten Welt.«

»Kennst du denn die ganze Welt und deren Geheimnisse?«

Ich schluckte. »Gibt es denn noch mehr von euch? Oder etwas Anderes, Vergleichbares?«

»Vielleicht. Nicht einmal wir wissen das. Aber es ist nicht so, dass ich dir anrate, es deinem Großvater zu erzählen, denn dieses Wissen ist eine riesige Belastung für ihn. Ich möchte ihm dies nicht zumuten. Aber es steht mir auch nicht zu, zu entscheiden, ob es ihm nicht besser ginge, auch bezüglich des Wissens um Micks Tod.«

»Ich glaube tatsächlich, es ginge ihm besser, wüsste er alles. Er lebt seit Jahrzehnten mit all den Mysterien, und ich nehme an, es macht ihn eher verrückt, dem niemals näherkommen zu können.«

Ich ging davon aus, dass es Cedric ähnlich erging wie mir. Ich hätte niemals so lange durchgehalten, mit dem Gefühl, niemals all diesen Geheimnissen auf die Spur kommen zu können.

Weder Lennox noch Madeleine sagten etwas dazu, sondern sie durchdrangen mich mit ihrem Blick und forschten nach Emotionen, die ich so weit als möglich von mir schob.

»Es steht allein dir zu, Robert«, fuhr Lennox fort. »Aber ich möchte dir sagen, dass du von uns allen das Einverständnis hast. Cedric steht uns allen nahe, mehr als er es selbst weiß.«

Ich stutzte. Es würde mich Wochen kosten, mich endlich zu einer Entscheidung durchzuringen, und es hieße, zuvor Cedrics Gemütszustand abzuklopfen. Ich wusste ja gar nicht, wie viele Fragen er hatte.

Wir saßen noch längere Zeit zusammen, blickten in die Ferne und schwiegen. Dabei fühlte ich eine Ruhe in mich fließen, die ich so niemals erwartet hatte. Ich wusste, dass Lennox dafür verantwortlich war, ein Mann, der Napoleon erlebt hatte und alles Wissen in sich gesammelt zu haben schien. Ebenso aber alle Ruhe, die man nur ausstrahlen konnte.

Am gleichen Tag rief mich Josh an. Zwar hatte er die Nummer dieses Anschlusses gelöscht, sie sich aber dennoch gemerkt, um Kontakt zu mir halten zu können. Es war schlimm für mich, ihm diese ganze Situation nicht einmal annähernd erklären zu können, doch ich hoffte, er würde mir weiterhin vertrauen. Seine Nachricht war jedoch alles andere als zufriedenstellend: Cedric weigerte sich, sein Haus zu verlassen. Nicht einmal der gewaltsame Tod Micks konnte ihn dazu veranlassen, zu seiner eigenen Sicherheit Connaghthowsetex wenigstens bis zum Frühjahr den Rücken zu kehren. Immer wieder hatte er nach mir gefragt und versucht, etwas über die Hintergründe meiner Verhaftung zu erfahren, doch Josh wusste genauso wenig wie mein Großvater selbst. Cedric wollte für nichts auf der Welt sein Zuhause verlassen, dem Ort seiner Kindheit und seines gesamten Lebens. Als Josh ging, hatte er einen alten Mann hinterlassen, der die Welt um sich herum nicht mehr verstand. Ich konnte mir direkt bildlich vorstellen, wie Cedric Mick nachtrauerte.

Die Tatsache, dass die Mulligans immer wieder außerhalb des Siegels und damit um das Haus Cedrics nächtliche Wachgänge absolvierten, war nur ein kleiner Trost für mich.

Offiziell war der flüchtige Robert Adair seit Tagen im Norden des Landes unterwegs. Zwei Männer aus Dublin, die eng mit einem Autohändler in Galway befreundet waren, bestätigten der Polizei, dass ein junger Mann sie um Geld und eine Unterkunft angebettelt hatte und auf dessen Statur perfekt die Beschreibung des Gesuchten passte. Mr. Adair durchquerte immer wieder verschiedene Orte, benutzte kurz vor der Grenze nach Nordirland seine Scheckkarte in einem Automaten, die sofort eingezogen wurde und flüchtete weiter. Unterwegs verlor er einen seiner Schals, hinterließ in einem Lebensmittelgeschäft seine Fingerabdrücke und wurde ab einem bestimmten Tag nicht mehr gesehen. Die Polizei musste glauben, dass sich der gesuchte Mörder nun in Nordirland aufhielt und von dort aus versuchte, die britische Insel möglichst unauffällig zu erreichen. Damit war es auch ein Fall für Interpol. Die nordirische Polizei suchte viele Häfen ab, befragte Fischer und stürmte die Docks unzähliger Schiffe, doch Mr. Adair blieb verschwunden. Eine Postkarte aus Edinburgh an Miss Madeleine Mulligan gerichtet, der Freundin Mr. Adairs und Tochter des ersten Verdächtigen, bewies die erfolgreiche Flucht des Angeklagten, obwohl die Polizei sehr überrascht darüber war, wie sich der kanadische Tourist über eine so lange Zeit in einem für ihn fremden Land unauffällig verstecken konnte. Er schrieb ihr, dass er seine Flucht bis Frankreich fortsetzen wollte, um letztendlich in Mitteleuropa seine Reise nach Kanada vorzubereiten. Den Mord wies er entschieden von sich und gab an, er wäre zu seiner Aussage auf der Polizeiwache gezwungen worden, der wahre Mörder jedoch noch auf freiem Fuß. Niemals könnte er zu ihr nach Irland zurückkehren. Die Postkarte allerdings sollte sie kurz nach Erhalt vernichten, um seine Pläne nicht aufzudecken. Dass die Post an die Mulligans aber von der Spezialtruppe der inneren Sicherheit längst observiert wurde, konnte der flüchtige Mörder nicht wissen.

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