Andreas Otter
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Cover: Die Erben Jerichos

Endzeitthriller

Die Erben Jerichos

»Wenn alles aussichtslos erscheint, erkennst du deine Stärke.«

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Klappentext

Ein Vulkan auf Island. Ein Kreuzfahrtschiff in Seenot, und eine Jugendliche, die lernt, wer sie wirklich ist.

Lilli hat ihr Leben in der Intensivwohngruppe satt. Der lang ersehnte Urlaub an der Nordsee soll alles besser machen. Doch kaum haben sie das Festland hinter sich gelassen, bricht auf Island ein Vulkan aus. Das Beben löst einen Tsunami aus, Küsten versinken, die Zivilisation bricht zusammen.

Während Europa im Chaos versinkt, kämpfen mehrere Schicksale gleichzeitig ums Überleben. Oliver und Diana kämpfen auf Island um ihr Leben. Jakob erlebt auf einem treibenden Kreuzfahrtschiff den Zusammenbruch menschlicher Ordnung. Die Isländerin Elin wächst mit jedem Kapitel über sich hinaus. Und Mascha, die stille Heldin dieses Romans, zeigt in den dunkelsten Momenten, wozu Menschen wirklich fähig sind.

Lilli aber trägt ihr eigenes Gewicht mit sich, ihren inneren Kampf mit sich selbst. Genau diese Last wird ihr in der Katastrophe zur entscheidenden Prüfung.

Das Erschreckende an diesem Roman ist nicht die Katastrophe selbst, sondern die Erkenntnis, dass sie jederzeit möglich ist.

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Kapitel 1

Systemsprenger

Robert

Intensivtherapeutische Wohngruppe „Klara“

Germering, Oberbayern

Nervös sah Robert auf die Uhr. Es war kurz nach drei, die Bewerberin müsste also bereits hier sein. Ein weiterer Kontrollblick auf die startbereite Kaffeemaschine sowie auf die beiden Wasserflaschen in der Mitte des Tisches linderte seine Unruhe kaum. Lieber kam die Frau zu spät als gar nicht, und ein weiteres Mal hoffte er, dass während der Gruppenbesichtigung kein großer Konflikt aufkam, der die Bewerberin in die Flucht schlug. Wobei dies lieber sofort geschah als nach einigen Tagen oder Wochen, wenn sich die Jugendlichen an die Neue gewöhnt hatten.

Auf dem Flur rief jemand, vermutlich war es Mascha, er erkannte die Stimme nicht genau. Seine zwei Kolleginnen waren sicher zur Stelle, und wenn es heftig würde, holten sie ihn sicherlich. Im selben Moment, als er dieses Wort gedacht hatte, war ihm klar geworden, dass ›heftig‹ relativ zu sehen war. Dinge, die sein Team als schon fast normal einstufte oder zumindest als erträglich, lösten in den meisten Familien akute Fluchtgedanken, pure Angst oder Schnappatmung aus. Hier kamen diese Dinge mehrmals täglich vor, und als intensivtherapeutische Wohngruppe arbeiteten sie auch mit freiheitsentziehenden Maßnahmen.

Gerade, als er sich vorstellte, welchen Eindruck dies auf eine junge Frau mit Mitte zwanzig haben musste, klopfte es. Sofort stand er auf und öffnete die Tür.

Blaue, fast strahlende Augen blitzten ihn an.

»Herr Kober?«

»Ja, Freut mich. Kommen Sie bitte rein, Frau Jäger.« Sofort fiel ihm auf, wie ungemein attraktiv die schlanke Frau mit den halblangen blonden Haaren war, die sie zu einem französischen Zopf geflochten hatte. Leider womöglich zu attraktiv, denn sofort dachte er an seine beiden Pappenheimer, von denen einer gerade im Time-Out-Raum saß, um zur Ruhe zu kommen. Sie hatten eine Praktikantin massiv sexuell belästigt, und womöglich könnte sich dies bei Frau Jäger wiederholen. Sofort spürte er, wie seine Hoffnung auf ein neues Teammitglied schrumpfte.

»Kaffee? Wasser?«

»Ja, gerne Kaffee!«, antwortete sie mit auffallend freundlich anmutender Stimme.

Sie setzten sich, er schenkte ihr Kaffee ein und griff nach den Bewerbungsunterlagen.

»Sie haben bestimmt schon gehört, dass das Arbeitsfeld nicht unbedingt ruhig ist«, versucht er gleich zu Beginn durch einen Scherz seine eigene Stimmung aufzulockern. Dabei strich er über sein kurzes braunes Haar. Es war warm im Büro, obwohl durch zwei gekippte Fenster ein angenehmer Windzug strömte.

»Das schreiende Mädchen? Es wollte nur sein Handy.«

»Tja, die Handys …« Er musste die Mappe nicht noch mal öffnen, er hatte sie sich zuvor genau durchgelesen.

»Frau Jäger, es freut mich sehr, dass sie sich für die Stelle interessieren. Ich konnte ihrer Bewerbung entnehmen, dass sie noch keine Erfahrung im intensivtherapeutischen Bereich gesammelt haben?«

Er formulierte es als Frage, denn auch die Arbeitsfelder in der offenen Jugendhilfe waren sehr unterschiedlich.

»Genau«, bestätigte sie, nachdem sie vom Kaffee getrunken hatte. »Ich habe drei Jahre in einer Kinder- und Jugendwohngruppe mit teils sehr verhaltensauffälligen Kindern gearbeitet, aber nicht intensivtherapeutisch.« Damit bestätigte sie nur, was bereits in der Bewerbung stand. »Aber genau dieses Thema, diese Art von tief greifender Pädagogik reizt mich ungemein.«

Robert musterte ihr Gesicht. Er selbst hatte vor fünfzehn Jahren ebenso euphorisch diese Stelle angetreten, leider blieben immer mehr Frust und Kraftlosigkeit zurück. Nicht unbedingt der Arbeit wegen, sondern aufgrund von ständiger Unterbelegung ihres Teams und der gleichzeitig schwindenden Aussicht auf Besserung dieses Dilemmas. Alle Sozial- und Pflegeeinrichtungen waren chronisch unterbesetzt, angefangen von den Kindergärten bis hin zu den Seniorenwohnheimen.

»Tief greifende Pädagogik klingt gut«, bestätigte er, »aber Sie werden wissen, dass an diesem Ort nicht immer pädagogisch gearbeitet werden kann.«

»Das weiß ich. Aber ich denke, noch immer genügend.«

Wieder musterte er sie. Sie war dreiundzwanzig Jahre alt, und er hoffte, sie könne ihre motivierte Haltung und das Brennen, den Jugendlichen helfen zu wollen, noch möglichst lange bewahren. Hier, in der Gruppe ›Klara‹, wohnten acht sehr schwierige Jugendliche, denen nur mithilfe strengster Regelungen und durchdachten Konsequenzen ein alltägliches Leben geboten werden konnte. Ein Leben unter Medikamenten zur Ruhigstellung, mit Time-Out-Räumen, in die sie gesperrt wurden, wenn sie sich oder andere massiv gefährdeten, mit einer hohen Anzahl therapeutischer Sitzungen, einzeln sowie in der Gruppe, mit einem fast schon brutalen Belohnungssystem, denen sich die Insassen unterziehen mussten.

Er musste dies Frau Jäger nicht erzählen, sie wusste es sicherlich, dennoch begann er, zumindest die Vorzüge dieser modernen Wohngruppe zu erläutern. Dass sie einen großen Garten mit Gemüsebeeten besaßen, der sogar von den massiv auffälligen Jugendlichen gerne genutzt wurde, von bunt gemalten Zimmern, in denen aber der gesamte Farbbereich um Rot nicht genutzt wurde, von Therapiesitzungen auf Wasserklangbetten, auf denen die Betreuten Musik und Töne durch Wasser an ihrem Körper spürten, von den vielfältigen freizeitpädagogischen Angeboten, die sie mit den zumeist weiblichen Jugendlichen wahrnahmen.

»Wir haben zwei offene Stellen im Team«, sagte Robert schließlich. »Ich denke, es ist keine Seltenheit in der heutigen Zeit, aber in einem so intensiven Arbeitsfeld fast nicht tragbar. Wie woanders auch, helfen wir uns gruppenübergreifend aus.«

Nun berichtete Frau Jäger von ihrer Arbeit, von den ebenfalls teils massiven Verhaltensauffälligkeiten, mit denen sie tagtäglich konfrontiert worden war. Sie beteuerte aber, dass sie die Wohngruppe nicht deswegen verlassen wollte, sondern weil sie mit dem Team nicht zurechtkam. Mit Konflikten habe sie kein Problem, ganz im Gegenteil. Sie war sogar der Annahme, sie stärkten in diesem Arbeitsfeld eher die Bindung zwischen den Erziehern und den Betreuten, weil es zeige, dass man an ihnen festhielt.

Diese Einstellung gefiel Robert. »Ja, außer die Konflikte überwiegen. Aber das tun sie glücklicherweise nicht.«

Schließlich begann er, die Betreuten kurz vorzustellen, um Frau Jäger einen groben Einblick zu gewähren. Aus Datenschutzgründen nannte er aber keine Namen.

»Wir haben zwei männliche und vier weibliche Bewohner. Davon sind drei bulimiekrank, alle über vierzehn. Eine von ihnen müssen wir leider regelmäßig ins Krankenhaus einliefern, bei ihr ist die Krankheit besonders ausgeprägt. Ginge es nach ihr, zöge sie in die Toilette.«

»Ab wann muss sie denn eingeliefert werden?«

»Wenn der BMI 16 unterschreitet, kommt sie in die Klinik.« Er bemerkte, dass Frau Jäger auffallend emphatisch reagierte. Grundsätzlich eine wunderbare Gabe, hier konnte sie allerdings schnell zu einem Bumerang werden, der sie bis in den Schlaf verfolgte.

»Zwei Betreute leiden unter starken Bindungsstörungen, die sich insofern äußern, dass sie kaum Freundschaften führen können. Entweder klammern sie derart, dass das Gegenüber erstickt, oder sie zerstören sie, weil sie die Nähe nicht aushalten. Eine von ihnen hat fast zwei Monate kaum Kontakt zu jemandem von uns gehabt, und als sie eine Freundin gewann, verwandelte sie sich in eine gefährliche Stalkerin, die sogar das Handy dieses Mädchens stahl, um alles darin zu lesen.«

Er erzählte auch von Anna, die nach zahllosen Missbräuchen aus einer Wohnwagensiedlung befreit worden war und seither ganze fünf Mal versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Momentan wurde sie derart mit Medikamenten vollgestopft, dass sie auch tagsüber einschlief. Von Sibel, deren Arme nach hunderten Ritzversuchen aussahen, als bestünde dort keine Haut mehr. Ihre Wutausbrüche waren legendär, sie hatte es sogar geschafft, die Türe des Time-Out-Raums zu zerstören. Seitdem besaßen sie eine so teure Sicherheitstür, die nicht einmal drei wilde Ochsen einbrechen könnten. Er berichtete von Marcel, der wegen mehrfacher Körperverletzung bereits in Haft gewesen war und nun versuchte, eine der letzten Chancen wahrzunehmen, sein Leben in den Griff zu bekommen. Er war als Kleinkind auch über Nächte im Keller eingesperrt und später von seinem Vater gezwungen worden, Zigaretten und Alkohol zu stehlen. War er ohne Beute zurückgekehrt, hatte es massiv Prügel gesetzt. Über Jahre. Als er in der Jugendhilfe aufgenommen wurde, stand er zunächst unter hoher Medikamentendosis von Methylphenidat, später unter dem stark sedierenden Mittel Levomepromazin.

Robert sah Frau Jäger an, dass diese Einblicke ihr zusetzten.

»Dann ist es umso wichtiger, sich mit den Jugendlichen auseinanderzusetzen«, sagte sie schließlich. »Sie sagten ja, für viele von ihnen ist das hier vielleicht die letzte Chance vor dem Knast.«

»Oder dem Tod«, führte Robert fort. »Oder vor einem Leben auf der Straße. Wobei das oftmals der Weg ist, der danach folgt.«

»Sie werden also entlassen, wenn sie volljährig sind?«

»Ja, leider. Weiterführende Betreuung in Erwachsenenwohngruppen steht dann an oder …«

» … die Welt dort draußen«, vervollständigte Frau Jäger.

Er nickte nur. Sie hatte verstanden, denn auch die Jugendlichen in der offenen Hilfe verließen nach Beendigung der Schulpflicht oder mit der Volljährigkeit die Wohngruppe.

Obwohl die Dienstzeiten mit Ausnahme der Nachtbereitschaften sich kaum von denen in der offenen Jugendhilfe unterschieden, stellte er den Dienstplan vor. In den Nächten war man allerdings öfter wach, sei es wegen seelischer Zusammenbrüche der Betreuten nach Träumen, Wutausbrüchen oder sinnlosen Versuchen, der geschlossenen Wohngruppe doch irgendwie zu entfliehen.

Schließlich standen sie auf, um einen Rundgang durch die Wohngruppe zu wagen. Robert war froh, endlich das Büro zu verlassen. Marie, seine Kollegin am heutigen Tag, kam gerade aus dem Freizeitraum, gefolgt von Britta.

»Ich hab sie abgezogen!«, triumphierte Britta.

Robert musste nichts sagen, Frau Jäger sah bestimmt auch so, dass das Mädchen unter Bulimie litt. Mit seinen neunundzwanzig Kilogramm wirkte es, als überstünde es keinen starken Herbstwind.

»Gratuliere, ich habe schon gegen Marie verloren«, grinste Robert.

Britta verzog die Augen. »Loser!«

»Das ist Frau Jäger«, stellte Robert sie den beiden vor. Marie und Frau Jäger gaben sich die Hand, lächelten sich an, bevor Robert sich Britta zuwendete. »Wäre es okay für dich, ihr dein Zimmer zu zeigen?«

Zunächst musterte sie Frau Jäger, nickte aber schließlich. »Okay.«

Als sie an Brittas Zimmer ankamen, blieben sie im Türrahmen stehen. Robert gefiel es, dass Frau Jäger es nicht betrat, denn es zeigte, dass sie offenbar ein gutes Nähe-Distanz-Verhältnis wahrte. Für viele Jugendliche war deren Zimmer mehr als ihr Rückzugsort. Er hatte aber bewusst Britta gefragt, denn sie war wenigstens in diesem Punkt nicht so extrem.

Er sah zu, wie Frau Jäger das Bett musterte, den einzigen Schrank, die Kommode. Auf dem Tisch stand ein CD-Player, davor lagen auf Papier gemalte Bilder. Augenscheinlich war es ein vergleichsweise leeres Zimmer, und er ahnte, dass Frau Jäger dies auch auffiel.

»Magst du etwas über das Belohnungssystem verraten?«, fragt er schließlich Britta.

»Was bekomme ich dafür?«

»Eine Leberkäsesemmel.«

Britta grinste und schüttelte den Kopf. »Klar!«

Robert hoffte, der Scherz kam auch bei Frau Jäger als ein solcher an. Es gab nicht viele Jugendliche, die manchmal Witze dieser Art und bezüglich ihrer Störungen oder Krankheiten zuließen. Und wenn, versuchte er diesen Weg öfter zu wählen, weil er wusste, dass trotz des augenscheinlichen Widerspruchs den Betroffenen ihre eigene Lage dadurch oftmals greifbarer gemacht wurde.

»Die kannst du selbst essen!«, fügte sie hinzu, bevor sie sich Frau Jäger zuwendete. »Okay, also wir müssen uns alle Freiheiten verdienen.«

»Verdienen?«, fragte die junge Frau nach.

»Ja, halt mit unserem Verhalten und so. Bauen wir über einen bestimmten Zeitraum keinen Scheiß, verdienen wir Dinge dazu. Wie zum Beispiel den CD-Player oder I-Pad, Stifte, Blätter, Blumentöpfe oder auch Sachen wie Ausgang, den Freizeitraum und so Zeug. Vor allem aber Handynutzung.« Als sei es ein Schlagwort, wendete sie sich Robert zu.

»Wann krieg ich jetzt das Handy länger?«

»Ab Sonntag, aber das weißt du.«

»Mann!«

Er nickte nur, ließ Frau Jäger etwas länger den Raum betrachten und bedankte sich schließlich bei Britta, die die Türe schloss.

»Bekommt ihr wegen des Handyentzugs keine Schwierigkeiten mit den Sorgeberechtigten?«, fragte Frau Jäger. »Ich meine, die machen da ja echt teilweise ein Drama daraus.«

»Sorgeberechtigte sind bei uns ausschließlich Vormünder oder Pflegschaften des Jugendamts. Die fragen nicht groß nach, sondern unterstützen alles, wenn es argumentativ gut begründet ist. Außerdem ist das Thema Handy gegenüber freiheitsentziehenden Maßnahmen wie Time-Out-Raum ja verschwindend klein.«

»Stimmt.« Sie sah noch einmal zur Tür von Brittas Zimmer. »Also hat sie sich längere Zeit an die Regeln gehalten, weil sie einen CD-Player und Malsachen hat?«

»Genau. Wir halten die Zeiträume recht knapp, es ist unrealistisch, gleich eine ganze Woche oder mehr anzusetzen, je nachdem, wie lange die Bewohnerinnen bereits bei uns sind. Bei Britta können wir weiter staffeln, da geht’s im 5-Tage-Rhythmus. Bei anderen setzten wir immer zwei Tage an, vor allem bei den Neuen.«

»Wir lang ist denn die Warteliste?«

Robert zog die Augenbrauen in die Höhe. »Zweiundfünfzig Plätze.«

»Krass.«

Er wusste, dass er erklären musste, wo diese Jugendlichen während der Wartezeit auf einen Platz in einer solchen Einrichtung untergebracht waren. In Kliniken oder fehlbelegt in der offenen Jugendhilfe, wo sie den Rahmen der Wohngruppen aufgrund ihres besonders herausfordernden Verhaltens oftmals sprengten.

Er zeigte ihr das große Wohnzimmer mit einem riesigen Fernseher, den Freizeitraum, in dem Kicker, ein Billardtisch sowie mehrere Sitzsäcke waren. Auf einem saß Anna, die Frau Jäger sicherlich auch als bulimiekrank erkannte.

»Ne Neue?«, fragte sie prompt? »Wer geht denn?«

»Nein, keine Bewohnerin«, erklärte Robert. »Vielleicht eine neue Kollegin.«

»Echt? Die ist ja nicht viel älter als ich.«

»Du darfst mich gern ansprechen«, wandte Frau Jäger nun ein.

Überrascht blickte Robert sie an.

»Okay«, murmelte Anna. »Wie alt bist du?«

»Dreiundzwanzig. Und du?«

»Siebzehn.«

»Cool. Dann bist du ja bald volljährig.« Dabei lächelte Frau Jäger, Anna aber nicht.

Prompt ließ Robert Frau Jäger durch einen Blick verstehen, dass sie nun gehen sollten.

»Sie mag nicht achtzehn werden«, erklärte er ihr vor dem Freizeitraum. »Wir haben noch keinen Nachfolgeplatz gefunden. Wir können sie nur behalten, wenn sie keine Sozialwohnung oder eine andere Möglichkeit findet, unterzukommen. Sie ist eine der wenigen, die gerne hier ist.«

»Oh«, stieß Frau Jäger betroffen hervor. »Mist. Voll ins Fettnäpfchen getreten.«

»So schlimm wars nicht, sie ist schlau genug, zu wissen, dass es gut gemeint war.«

Sie gingen in den Raum, in dem das Wasserklangbett stand. Unter einer himmelblau gemalten Decke mit aufgeklebten Leuchtsternen stand das zwei Meter breite Bett, dessen spezielle Matratze mit Wasser gefüllt war. Entspannungsmusik wurde durch das Wasser direkt in den Körper der darauf liegenden Person übertragen. Robert hatte es schon mehrmals selbst getestet und fand es jedes Mal wunderschön.

»Es wird auch in der Behindertenhilfe genutzt, bei stark traumatisierten Jugendlichen ist es oft der Lieblingsort in der Wohngruppe.«

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Sehr realistische Schilderung. Hatte Tränen in den Augen, unbedingt lesen.
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Das neue Buch von Oliver Pätzold ist wieder klasse. Ich habe wieder mitgelitten.
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Lässt sich super lesen, wie alle Bücher von Oliver Pätzold. Ich liebe seinen Schreibstil.
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Zum Anfassen, Verschenken, Verleihen. 456 Seiten. ISBN 978-3-7693-2403-7.

Besprochen und bewertet auf Goodreads, ReadO.

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