Andreas Otter
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Cover: Esomenia. Revolution

Dystopie · Band 2 · Esomenia

Revolution

»Diesmal erinnert sie sich.«

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Klappentext

165 Jahre geschlafen. Erwacht in einer fremden Zukunft.

Wieder erwacht Nina in einer Welt, die ihr fremd und zugleich vertraut ist. Denn diesmal erinnert sie sich. An Namen, an Stimmen und daran, dass sie diesen Albtraum schon einmal durchlebt hat.

Was ist Wirklichkeit, was Wiederholung? Während sie versucht, die Wahrheit zu finden, wird klar: Jemand hat mit ihr gespielt. Und sie wollen wieder spielen.

Doch je tiefer Nina gräbt, desto mehr verschwimmen Wahrheit und Lüge. Was sie schließlich über sich selbst erfährt, sprengt jedes Maß und stellt ihre gesamte Existenz infrage.

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Kapitel 2

Programm 52

Es war die Frage aller Fragen, und Nina konnte es kaum mehr aushalten, endlich eine Antwort darauf zu erhalten. Seltsamerweise hatte sie Angst davor.

Während Melanie gerade schwieg, schloss Nina für einige Momente die Augen.

»Welches Jahr haben wir?« Ihr wurde heiß und kalt.

»An welches Jahr kannst du dich denn erinnern?«

So sehr Nina nachdachte, ihr fielen keinerlei Erinnerungen ein. Sie konnte erklären, wie ein Krankenhaus aussieht, was ein Auto ist. Aber sie konnte keine Welt vor sich sehen, die ihr bekannt vorkäme. Nichts.

»An keines.«

»Und warum ist es dann wichtig, in welchem Jahr wir uns befinden? Womit möchtest du vergleichen?«

»Ich weiß es nicht.«

»Gut. Wir befinden uns im Jahr 1982.«

Nina schüttelte den Kopf. Wollte Melanie sie auf den Arm nehmen? »Da gab es eine solche Technik noch nicht!«

»Das ist sehr interessant, denn das bedeutet, dass du doch so etwas wie ein Zeitgefühl hast. Du weißt, dass 1982 nicht stimmen kann.«

»Ja, aber ich weiß nicht, warum. Also war es ein Scherz?«

»Eher ein Test. Du wirst dich daran gewöhnen müssen, dass wir dein Gehirn gleich von Beginn an richtig strapazieren.«

»Okay. Welches Jahr haben wir wirklich?«

»Wir haben den 9. Mai 2197.«

Es sagte Nina gar nichts, auch wenn diese Jahreszahl seltsam futuristisch klang. Warum nur konnte sie sich an gar nichts erinnern? »Wann bin ich gestorben und eingefroren worden?«

»Am neunten November 2082.«

Auch das sagte Nina nichts. Gar nichts. Sie fragte sich aber, warum sie gewusst hatte, dass 1982 nicht stimmen konnte. Besaß sie vielleicht im Rahmen ihrer Amnesie eine Art Erinnerung, die aber nicht auf Bildern, sondern auf Gefühl basierte?

»Dann war ich 115 Jahre lang im Kryonikschlaf.«

»Glückwunsch, dein mathematisches Gedächtnis funktioniert erstaunlich gut.

2082. Es musste doch irgendetwas in ihr sein, irgendein Bild, ein Gesicht, vielleicht einen Straßenzug, der es ihr ermöglichte, wenigstens einen kleinen Einblick in diese Zeit zu haben. Die Tatsache, 115 Jahre lang geschlafen zu haben, war wie ein Schock für sie.

»Habe ich einen Bericht, eine Akte?«

»Ja, die liegt uns von jedem Patienten vor.«

»Steht darin etwas von meiner Familie? Namen, vielleicht sogar Bilder? Wenn, dann möchte ich sie sehen.«

»Es gibt keine Bilder, nur die Namen deiner Eltern, beziehungsweise deiner Mutter.«

»Und warum nicht von meinem Vater?«

»Weil er gestorben ist, als du fünf warst.«

»Habe ich Geschwister?«

»Einen Bruder.«

»Wie heißen sie?«

»Deine Mutter Irene, dein Bruder Felix.«

Diese Namen sagten Nina nichts. Selbst, als sie sich fast schon gewaltsam Gesichter unter diesen Namen vorzustellen versuchte, erkannte sie niemanden.

Stattdessen drängte sich eine andere Frage auf. »Bin ich die Einzige, die aufgeweckt wurde? Ich meine, das hier ist eine riesige Forschungsanlage.«

»Ich staune, wie schnell dein Gehirn regeneriert. Du stellst die richtigen Fragen, Nina.«

»Und?«

»Es gibt auch andere.«

»Sind die auch hier?«

»Die meisten sind nach Alessia übergesiedelt. Das Aufweckprogramm läuft schließlich rund um die Uhr. Einer ist noch da.«

»Was ist Alessia?«

»Was hältst du davon, wenn ich dir morgen darüber erzähle? Du solltest dich etwas ausruhen.«

»Aber ich bin nicht müde. Was sagt denn dieser Cox zu meinen Werten?«

»Dass alles in Ordnung ist.«

Nina dachte, eine Lawine an Informationen bräche über sie herein, und trotz ihrer Überforderung konnte sie nicht aufhören, zu fragen. Langsam wurde ihr bewusst, dass die Welt, in der sie gelebt hatte, nicht mehr existierte, dass niemand, den sie je gekannt hatte, noch lebte. Alles war neu, unbekannt, sie war in einer fernen Zeit wieder ausgespuckt worden.

»In welchem Land sind wir? Welche Sprache sprechen wir?«

»Wir sprechen Englisch, zumindest die Version davon, die als die moderne zählt.«

»Warum modern?«

»Weil die Sprachen sich vermischt haben, besonders nach der Solarkatastrophe.«

»Und wo sind wir?«

»Es gibt keine Staatsformen mehr, wie du sie von früher kennst. Zumindest nicht mehr so viele. Dies hier ist das großbritische Council, und wir befinden uns auf der Südseite der britischen Insel.«

»Komme ich auch aus Großbritannien?«

»Nein, aus dem damaligen Deutschland. Aus Hamburg.«

»Warum spreche ich dann dieses moderne Englisch?«

»Weil wir alles Nötige in deinem Sprachzentrum frisch angelegt haben. Du denkst und redest jetzt in dieser Sprache, und wie ich höre, ist die morphosyntaktische Verarbeitung zufriedenstellend.«

»Wie ›frisch angelegt‹?«

»Durch das Headcape. Am besten ist es, wenn du dir ein Smartphone vorstellst, das eine App in dein Gehirn installiert.«

»Also diese Sprache wurde mir wie eine App im Gehirn installiert. Und das ist die neueste Technik?«

»So in etwa, genau. Übrigens ist das Wissen über ›App‹ auch eine Erinnerung.«

Nina konnte es nicht glauben. Sie sprach eine völlig fremde Sprache. Es klang so verrückt, als würde sie erfahren, in einer Art Raumschiff aufgewacht zu sein.

»Nina, vielleicht sollten wir mehr Pausen machen. Es ist eine enorme Belastung für dich, und wenn du jetzt binnen kürzester Zeit alle weiteren Informationen in dein Gehirn gepresst bekommst, steigt das Risiko, dass du dich übernimmst.«

»Aber ich habe so viele Fragen.«

» … die du alle beantwortet bekommst. Aber nach und nach.« Melanie schob wieder Zahlen in der Luft herum, Tabellen, Werte, Linien irgendwelcher Diagramme.

»Deine Werte zeigen, dass du Schlaf gebrauchen könntest.«

»Aber ich bin nicht müde.«

»Gut. Dann möchte ich einen Test mit dir machen.«

Unsicher sah Nina an sich herab. Sie trug noch immer dieses seltsame Laborgewand, einen weißen Kittel, den sie über den Kopf gezogen bekommen hatte. So stellte sie sich den Prototypen eines Patienten vor. »So?«

»Ich brauche nicht deinen Körper, sondern deinen Geist.«

»Okay … Und das ist notwendig?«

»Ja. Lege dich einfach ruhig hin, den Rest erledigt das Headcape. Wir testen jetzt deine synaptischen Reaktionen sowie mögliche Erinnerungen.«

»Im Schlaf?«

Melanie nickte nur, fuhr fort, einige Zahlen virtuell herumzuschieben und blickte dabei angestrengt.

Deutlich fühlte Nina ihre Unruhe. Was wollten sie denn testen? Doch plötzlich wurde ihr schwummrig, sie fühlte sich, als dränge etwas in ihren Kopf ein. Ihr wurde heiß, Farben und Helligkeit verschwammen, und schließlich hörte sie auch Melanie nicht mehr.

Sie fand sich an einem Waldrand wieder. Obwohl sie zu träumen schien, blickte Nina vorsichtig um sich. Es war kein gewöhnlicher Traum, denn sie erinnerte sich an Melanies Worte zurück, dass sie etwas testen wolle. Doch was? Und warum stand sie hier? Einige Vögel zwitscherten, die Sonne schien warm auf ihre Haut, sie fühlte den Boden unter ihren Füßen. Da fiel ihr auf, dass sie barfuß auf dem engen Feldweg stand.

Plötzlich raschelte etwas auffallend laut im Gebüsch direkt am Waldrand. Zunächst konnte sie nichts erkennen, doch plötzlich schoss etwas aus dem Unterholz direkt auf sie zu. Es war ein Tier, größer als ein Hund, mit graubraunen Borsten und zwei langen, gebogenen Zähnen, die gefährlich aus dem Maul ragten. Binnen Augenblicken schoss ihr Puls in die Höhe, sie schrie und rannte weg. Die Füße schmerzten aufgrund des harten Bodens und der Steine, doch sie rannte unvermindert weiter. Das Ding kam aber immer näher, grunzte, quiekte; sie hatte absolut keine Ahnung, welches Tier hinter ihr her war. Gerade, als die Bestie sie eingeholt hatte, tauchte ein Wasserlauf vor ihr auf. Mit vollem Schwung sprang sie darüber und landete hart auf dem anderen Ufer.

Das Tier folgte nicht. Schnaubend wühlte es mit der Schnauze im Boden und kehrte schließlich wieder um.

Ninas Herz schlug wild um sich. Was war das gewesen? Und wenn sie träumte, warum war dieses Ding so realistisch gewesen? Sie hatte es sogar riechen können, und jeder einzelne spitze Stein hatte sich in das Fleisch ihrer Füße gerammt.

»Melanie?«, schrie sie. Es folgte keine Antwort. Schließlich schrie sie noch einmal, doch bis auf das Vogelgezwitscher blieb es still.

»Entschuldige!«, sagte plötzlich eine Stimme. Erschrocken drehte sich Nina um und sah eine Person in einigen Schritten Entfernung vor ihr stehen. Sie war weder Frau noch Mann und trug auch keine Haare auf dem Kopf. Der Körper steckte in einem himmelblauen Gewand.

»Wer bist du?«, fragte Nina ängstlich.

»Hallo Nina, ich bin Cox. Ich möchte mich für diese Unannehmlichkeit entschuldigen.«

»Du bist das Programm?«

»Genau.«

»Also war das Ding dort drüben auch nicht echt?«

»Nichts ist hier echt, es ist alles Simulation. Nicht aber deine Gefühle, Reaktionen, alles, was dich ausmacht.«

»Und was hat das alles für einen Sinn?«

»Du durchläufst ein Lernprogramm.«

»Soll ich lernen oder lernt ihr aus mir?«

Da lächelte die Person, von der Nina noch immer nicht wusste, welches Geschlecht sie vertrat.

»Das ist wirklich eine gute Frage, Nina, und es zeigt mir, wie intelligent du bist. Ja, zugegeben möchten wir aus dir lernen, aus deinem Körper, und vor allem aus deinem Geist. Über hundert Jahre zu schlafen, beeinflusst jedes Gehirn anders.«

»Warum zeigst du dich mir androgyn?«

»Ich werde mal so, mal so auftreten. Du kannst für dich entscheiden, welche Gestalt dir am meisten zusagt.« Cox drehte sich zur Seite und wies mit der Hand auf die andere Seite des schmalen Wasserlaufs. »Bitte sieh dir die Gesichter an.«

Wie von Geisterhand war das Ungetüm verschwunden, und wo vorher noch Feld und Wiese gewesen waren, standen Häuser und Gärten. Direkt vor ihr gingen Personen an ihr vorbei. Eine Frau, etwa um die Fünfzig. Sie trug Blumen, ihr Gesicht wirkte heiter. Ihr folgte eine junge Frau, deren braunes Haar zu Zöpfen geflochten war. Diese lächelte ihr zu und so lächelte Nina zurück. Bei einem hoch gewachsenen Mann, dessen Haupt kurz geschoren war, zuckte sie zusammen. Es war, als hätte sie ihn schon einmal gesehen, doch dies konnte nicht möglich sein. Melanie war die einzige Person, der sie seit ihrem Erwachen begegnet war. Dem Großen folgte ein kleinerer junger Mann mit schwarzem Haar sowie eine Frau mit ebenso schwarzem Haar und ein Greis.

»Und?«, wollte Cox wissen. »Meinst du, du könntest diese Gesichter jemandem aus deiner Vergangenheit zuordnen?«

»Ich kann mich absolut an nichts aus meinem früheren Leben erinnern. Auch nicht an Gesichter.«

»Bei dem großgewachsenen Mann haben sich aber deine Werte verändert.«

»Ich dachte, ihn zu kennen. Vielleicht ist es wirklich jemand von früher, den ich kannte. Woher hast du eigentlich diese Gesichter, ihr kennt meine Vergangenheit doch gar nicht.«

»Das ist richtig. Manche sind uniforme Gesichter, sie beinhalten von jedem Typen etwas, andere sind Zufallsprodukte.«

Offenbar wartete Cox noch auf eine Antwort oder Reaktion, doch Nina wusste nicht, was sie sagen sollte. Ihr sagte das alles rein gar nichts.

Plötzlich verschwanden diese Menschen und auch die Häuser dahinter. Ein See erschien, Bäume darum herum, es schien ein Park zu sein. Am Rand des Ufers thronte eine große weibliche Statue, deren Gesicht zutiefst glücklich wirkte. Aus ihren Händen, die sie vor sich hielt, floss Wasser in den See.

»Es ist schön«, murmelte Nina. »Gibt es diesen Ort?«

»Ja, durchaus. Vielleicht bekommst du ihn noch zu sehen.«

Neben der Statue tauchten plötzlich Wörter auf. Es waren Namen, die wie auf einer Reklametafel in der Luft an ihren Augen vorbeizogen. Sie las Aaron, Melody, Jonas, Tanja, Steven, Walther und Maya.

»Warum zeigst du mir Namen?«, fragte sie Cox.

»Wegen deines Erinnerungsvermögens.«

»Die sagen mir auch nichts.«

»Nicht ein einziger?«

»Nein.«

Die Namen verschwanden, und sie las Solar, Esomenia, Kyophora, Pfeil.

Nina fragte sich, warum Cox ihr ein Sammelsurium an bunt zusammengewürfelten Wörtern hinwarf. »Das sagt mir alles nichts.«

Es folgten noch einige Wörter, doch Nina konnte sich an gar nichts erinnern.

»An welchem Wort bleibst du hängen?«, fragte Cox.

»An keinem. Was soll das?«

»Na ja, es wäre ja möglich, dass du deine Amnesie schneller überwindest, wenn wir dir etwas auf die Sprünge helfen.«

»Was war das eigentlich für ein Tier vorhin?«

»Ein Wildschwein. Du kennst diese Art nicht mehr, sie starb einige Jahrzehnte vor deiner Geburt aus. Wie viele andere Arten auch.«

»Warum? Gab es eine Katastrophe?«

»Ja. Wir werden dich schrittweise an das heranführen, was seit deinem Tod geschehen ist.«

Nina sah zu den Wörtern, die nun verschwanden. Es erschien wieder das Feld, die Wiese, und auch das umherstreunende Wildschwein tauchte auf.

»Ich weiß ja nicht einmal, wie meine Welt war, als ich noch lebte.«

»Das wird kommen. Amnesien dieser Art können wochenlang dauern oder aber auch nur wenige Tage.«

»Dann hoffe ich auf wenige Tage. Was tun wir jetzt?«

»Wir testen die Leistung deiner Neurotransmitter sowie deiner Synapsen. Deine Flucht war schon mal sehr überzeugend.«

»Es hat mir riesige Angst eingejagt.«

»Angst gehört zu den elementaren Reizen eines Menschen.«

»Programm 52!«, sagte plötzlich Cox, und als sich Nina umsah, fand sie sich auf einer Glasplatte stehend, unter der Wasser war. Überrascht sah sie um sich und bemerkte, dass sie sich auf offenem Meer befand. Es war so realistisch, dass sie plötzlich fragte, ob das alles noch Simulation war. Wind blies in ihr Gesicht, Wassertropfen klatschten an ihren Körper. Da bewegte sich der durchsichtige Boden unter ihr, öffnete sich wie eine Tür und sie fiel ins Wasser.

Kaltes Wasser umhüllte sie. Voller Schreck hustete sie, versuchte die Glasplatte zu erreichen, doch sie war verschwunden. Mühevoll versuchte sie sich über Wasser zu halten. Doch der Wellengang wurde stärker, sie schwappte hoch und nieder, immer öfter schluckte sie Wasser.

»Hör auf!«, rief sie so laut, wie sie konnte, die Stimme wurde aber vom Wind verschluckt. Über ihr entstand ein Gewitter, es donnerte, krachte, sie bekam kaum mehr Luft. Mit letzter Kraft wehrte sie sich gegen das Wasser, gegen die Wellen, bis sie schließlich nicht mehr konnte. Voller Panik erkannte sie, dass sie aufgab, dass sie kaum mehr das Wasser aus ihrer Lunge aushusten konnte.

Plötzlich hob sie etwas aus dem Meer. Sie wusste nicht, was, wurde jedoch auf weichen Untergrund gelegt. Hustend rappelte sie sich auf, spuckte Wasser, schrie, weinte, bis der Schmerz in ihrer Lunge endlich verschwand und sie Luft bekam. Neben ihr standen Menschen. Sie musste sich die Tränen aus den Augen wischen, um sie besser erkennen zu können. Es waren mehr als zuvor, doch einige Personen waren darunter, die sie Minuten zuvor gesehen hatte. Die Frau um die fünfzig, der große Mann, der kleinere Mann, die Frau mit den Zöpfen.

Schließlich lösten sie sich in Rauch und Nebel auf.

»Ah, ich liebe diese theatralische Art, Menschen verschwinden zu lassen«, ertönte Coxʼ Stimme aus dem Nichts.

Nina konnte ihn nirgends ausmachen. »Was sollte das? Ich wäre fast ertrunken?«

»Nein, wärst du nicht. Es ist noch immer eine Simulation.«

»Meine Angst und Panik waren nicht simuliert!« Nina war so wütend, dass sie ihm am liebsten ins Gesicht geschlagen hätte, würde sie ihn denn sehen.

»Das ist ja auch Sinn der Sache. Hast du einige der Menschen wiedererkannt?«

»Ja, vier. Aber von zuvor, nicht aus irgendeinem anderen Leben. War es das jetzt?«

»Ja, Nina, wir können das hier beenden. Ich weiß, dass du es nicht hören willst, aber die Regeneration deiner Nervenzellen ist außergewöhnlich gut. Glückwunsch dazu.«

»Das war jetzt sarkastisch, oder?«

»Nein, es war ehrlich.«

»Deswegen muss man mich nicht ins Meer werfen und schauen, wie ich untergehe!«

»Da hast du recht, es ist jedoch äußerst informativ für mich. Alles ist so, wie es sein sollte, jede kleinste biochemische Reaktion in deinem Körper befindet sich in der Norm. Deine Muskelkontraktion lag bei 92 Prozent, deine Axonaktivität sogar bei 98 Prozent. Die letzte Stufe des Regenerationsvorgangs ist beendet.«

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