Andreas Otter
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Cover: Das Schweigen der Götter

Historischer Roman · Band 1 · Die Götter-Saga

Das Schweigen der Götter

»Wo die Götter schweigen, beginnt das Ende der Welt.«

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Klappentext

Friesland um das Jahr 1000. Henrik ist ein friedlicher Bauernsohn, bis die Nordmänner sein Dorf überfallen und ihn als Sklaven verschleppen. Auf den Wegen zwischen Norwegen, Island und Grönland lernt er eine Welt kennen, in der alte Götter, blutiges Schicksal und der Drang nach Westen miteinander ringen.

Als die Drachenschiffe Kurs auf das unbekannte Vinland nehmen, ist Henrik dabei. Mit ihm reisen Juta, die in englischer Gefangenschaft niemals aufgegeben hat, der Krieger Siman und die heidnische Arna, die unbeirrt zu ihren alten Göttern steht, während das Christentum den Norden erobert.

Was sie am anderen Ufer des Ozeans erwartet, ist mehr als nur fremdes Land. Es ist eine Welt, die noch keiner ihrer Vorfahren betreten hat.

Eine epische Reise an den Rand der Welt, fünfhundert Jahre vor Kolumbus. Über Sklaverei und Sehnsucht, über schweigende Götter und Menschen, die ihre eigene Wahrheit finden müssen.

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Kapitel 1

Die Walküre

Arnas Schuhe versanken beinahe vollständig im Schlamm. Nach dem kräftigen Regen der letzten Tage war der Boden aufgeweicht und morastig. Während des Anstiegs auf den Hügel ging Arna an einigen Männern vorbei, die sie misstrauisch, sogar feindselig ansahen, und nur in wenigen Blicken erkannte sie Unterstützung oder den Glauben an ihre Freisprechung. Ihre Tat verstieß nicht gegen die Dorfregeln, doch sie war eine Frau, die weder besondere Rechte besaß, noch die kleineren Verhandlungen besuchen durfte, die im Dorf abgehalten wurden. Diese Zusammenkunft hieß auch nicht thing, denn solche Ratsversammlungen schlossen Frauen und Kinder generell aus, doch auch hier sollte es zum Rechtsspruch kommen.

Diese Versammlung stand für einen Mord, den sie ihr anzuhängen beabsichtigten.

Als sie endlich die Halle des größten Langhauses des Dorfes betrat, wichen die Männer zur Seite, um sie passieren zu lassen. Die meisten von ihnen taten es widerwillig, ließen sogar ein Bein stehen, sodass sie darübersteigen musste, oder verharrten länger als notwendig an Ort und Stelle. Sie kommentierte sie nicht, sie stieß auch niemanden an – es glich beinahe dem Spießrutenlauf eines Sklaven und das inmitten ihrer eigenen Leute. Mittlerweile war sie derart aufgeregt, dass die Holzbalken des Gebäudes sich für sie zu bewegen schienen. Die geschnitzten Drachen- und Pferdeköpfe an den Stuhllehnen schrien sie förmlich an. Schließlich schwenkte sie den Blick zu dem erhöhten Platz am Ende des Raumes, auf dem der yfirmannr thronte, der Dorferste, der die Versammlung führte. Eine schwere Silberkette glitzerte auf seiner Brust, seine Arme zeigten goldene Reifen, an beinahe jedem Finger steckte ein Ring. Direkt neben ihm saßen seine Frau und sein Bruder. Unter den zahlreichen Männern versuchte sie, Einar Elgursson auszumachen, doch in der Eile sah sie weder ihn noch Radvald oder Skridur.

Geirr hingegen stand in erster Reihe und würdigte sie keines Blickes. Er stützte sich auf seine Streitaxt und hielt seinen Blick streng in Richtung Völsungur, dem yfirmannr, der nun langsam die Hand hob, um die Anwesenden zum Schweigen zu bringen. Arna wusste nicht, ob die Männer immer derart schnell schwiegen, vermutlich warteten alle gespannt darauf, ob Völsungur sie als Frau überhaupt sprechen ließ. Zudem ging es nicht um irgendeine Frau, sondern um SIE. Es gab viele, die ihr aus dem Weg gingen, einige dachten sogar, sie stehe mit Hvrethrungar in Verbindung, dem verfluchten Gott, Blutsbruder des Odin. Ihre Eltern waren früh gestorben, und nach dem Tod ihres Ehemanns, der im Kampf gefallen war, wurde sie ein weiteres Mal verheiratet, doch auch dieser Mann starb kurz nach der Vermählung an einem hohen Fieber. Seitdem galt sie als Unantastbare, nur ein paar wollten noch etwas mit ihr zu tun haben. Zwar entschied Völsungur einst, dass Arna den Hof selbst führen durfte, dieser Schiedsspruch fand aber kein Einverständnis bei den Dorfbewohnern. Arna ahnte, wie es zu dieser Entscheidung gekommen war, und ebenso, dass es auch viele der Bewohner wussten, doch keiner sprach es aus. Kurz zuvor hatte Völsungur Besuch von einer völva, einer Seherin, bekommen, die sich vermutlich für Arna aussprach. Warum auch immer. Der yfirmannr durfte deren Rat nicht umgehen, eine völva galt als Brücke zu den Göttern Asgards, als Ratgeberin für Dinge, die für die Menschen unsichtbar blieben, da sie in der Zukunft lagen. Nur Seherinnen erkannten die kommende Zeit, blickten in jenen Nebel, der Ruhm, Ehre und Sieg, aber auch Schande und Tod bereithalten konnte. Bis zum heutigen Tag fragte sich Arna, weshalb sie damals die Gunst der Seherin erhalten hatte.

»Geirr Skridurson, wir haben uns heute hier versammelt, weil dein Vetter getötet wurde«, hallte Völsungurs Stimme durch den Raum und riss Arna aus ihren Gedanken. »Wie lautet deine Anklage?«

»Dieses Weib hat meinen Vetter umgebracht!«

Einstimmiges Gemurmel erhob sich, und als Arna ihren Blick über die vielleicht fünfzehn Männer schweifen ließ, entdeckte sie endlich Einar.

»Gab es dafür Zeugen?«

»Nein, wir haben ihn in Hranis Haus gefunden. Aber Arna hat es zugegeben.«

»Arna Olvisdottir, du hörst die Anschuldigung gegen dich. Was hast du dazu zu sagen?«

Endlich durfte sie sprechen. Am liebsten hätte sie es laut herausgeschrien, hätte Völsungur gepackt und ihm die Wahrheit ins Gesicht gespuckt, noch lieber aber würde sie Geirrs Schädel spalten und dessen Eingeweide quer über den Boden verteilen. Vielleicht würde sie es tun, falls man sie heute verurteilen sollte. »Ja, Herr, ich habe ihn getötet. Aber aus Notwehr. Er ist in mein Haus eingedrungen, und als ich ihn aufforderte zu gehen, wollte er Hand an mich legen. Er wollte mich schänden.«

»Sie lügt!«, schrie Geirr. »Mein Vetter hätte so etwas niemals getan.«

Arna versuchte, so lange zu sprechen, wie es Völsungur zuließ. »Ich lüge nicht. Dein Vetter war betrunken, aus ihm sprach der Met.«

Wieder erklang Gemurmel, einige Männer beschimpften sie als Lügnerin und Hure, andere pflichteten ihr aber bei. Es gab nur wenige, die auf ihrer Seite standen, und sie hoffte, dass nicht dieses Ungleichgewicht den Ausschlag für Völsungurs Urteil geben würde.

Der yfirmannr hob die Hand, und diesmal dauerte es länger, bis die Menge verstummte. Sein stechender Blick traf Arna. »Wann hast du es dem ersten Mann gesagt?«

»Gleich nach der Tat. Askur Hinriksson war nicht da, deswegen lief ich zum nächsten Haus.«

»Zu welchem Haus?«

»Ich suchte Einar Elgursson auf.«

Der Dorferste schwenkte seinen Blick zu Einar, dem verdienten Krieger, der nun einige Schritte vortrat. Auch Arna blickte zu ihm, froh, an dem furchtbaren Abend ihn angetroffen zu haben, der zumindest die Einhaltung der Vorschriften bestätigen konnte. Geschah ein Todesfall, musste es augenblicklich einem Mann gesagt werden, um hinterlistigen Mord auszuschließen. Einar war nicht nur ein Mann der Macht, sondern der Anführer vieler Krieger, die ihm Ruhm und Ehre verdankten. Er leitete erfolgreich die Raubzüge in ferne Länder, und alle zollten ihm Respekt.

»Einar Elgursson, spricht die Frau die Wahrheit?«, fragte Völsungur.

»Ja, sie hat mein Haus betreten und es mir gesagt. Wir sind sofort zu ihr und haben den Leichnam gefunden.«

Als hätte Odin persönlich diese Aussage getroffen, verstummten nun die Rufe, die zuvor noch eindeutig gegen Arna gerichtet waren. Doch die plötzliche Stille wirkte unheimlich und erschien Arna mindestens ebenso gefährlich wie ein Ausbruch Völsungurs.

»Es beweist aber nicht, dass du nicht hinterrücks gehandelt hast!«, donnerte nun die Stimme des Ersten durch die Halle. »Wir haben kein Zeugnis dafür, dass du in Notwehr gehandelt hast.«

»Yfirmannr, du hast genauso wenig einen Beweis dafür, dass ich nicht in Notwehr handelte. Ich lüge nicht, und ich würde niemals einen Mann unseres Dorfes umbringen. Ich musste in Notwehr handeln.«

Geirr drehte sich wutentbrannt zu ihr. »Du lügst!«

»Ich lüge nicht.«

Mit eisernem Griff umklammerte Geirr seine Axt, durfte sie aber auf keinen Fall benutzen. Nicht hier im Langhaus des yfirmannr und vor allem nicht ohne Urteil. Trotzdem vermied Arna Augenkontakt, um ihn nicht unnötig zu reizen.

Plötzlich kam ihr eine Idee. »Lasst Odin entscheiden.«

Wieder wurde es totenstill. Dann hörte Arna einzelne Rufe aus der Menge und sah einige den Kopf schütteln, Einar hingegen starrte sie entsetzt an.

»Weib, du rätst mir, was ich zu tun habe?«, zischte Völsungur. »Warum sollte Odin entscheiden, wenn ich es selbst kann?«

Trotz ihrer Angst sprudelte es aus Arna heraus. »Lasst ihn entscheiden, wer als Sieger eines Zweikampfes hervorgeht.«

»Du willst einen Zweikampf? Du bist eine Frau, wenn auch eine gute Kämpferin!«

»Ich weiß. Aber ich bin mir sicher, dass Odin seine Hand über mich hält.«

Wieder gab es einzelne Zwischenrufe. Doch bald fingen die Männer an, ihre Waffen gegen die Schilde zu schlagen. Zuerst einige, dann immer mehr, bis Arna neben Einar und ein paar anderen Männern keinen mehr sah, der ihren Vorschlag nicht guthieß. Das langsame, monotone Schlagen war Bedrohung und Aufforderung zugleich.

Völsungur hingegen sah mit einem gequälten Gesichtsausdruck zu seinen Männern und dachte nach. Arna wurde bewusst, dass ihr Vorstoß eine Beleidigung für ihn war und sie damit seine Autorität infrage stellte. Noch dazu von einer Frau. Doch die Reaktion der anderen dröhnte und polterte eindeutig, Völsungur konnte den Willen der Männer nicht einfach außer Acht lassen.

Länger als erwartet, ließ der Dorferste die Männer die Waffen auf die Schilde schlagen, schließlich hob er die Hand und sorgte für Ruhe.

»Geirr Skridurson, bist du mit diesem Urteil einverstanden?«

»Ja, yfirmannr. Ich werde den Tod meines Vetters rächen.«

»Dann soll es so sein.« Völsungur flüsterte einigen Männern etwas zu und stand auf.

Arna fröstelte. Sie wusste um Geirrs Fähigkeiten, vertraute jedoch auch auf ihre eigenen, trotzdem spürte sie, wie ihr Herz heftig schlug. Weit entfernt von einem Freispruch, aber in jedem Fall besser als ein Todesurteil.

Obwohl sie kämpfen musste, wollten ihre Beine beim Verlassen des Hauses fast nicht gehorchen. Sie mussten nicht weit gehen, denn der Platz hinter dem Langhaus reichte aus, nicht nur Widersacher gegeneinander antreten zu lassen, sondern auch Zuschauer darauf unterzubringen.

Es regnete wieder ohne Unterbrechung, was den Untergrund noch matschiger werden ließ. Binnen kürzester Zeit klebte die Kleidung an ihr, und der Dampf ihrer Körperwärme stieg empor. Kurz sah sie zu den Wolken über sich. Sie wollte nicht nur ihrem Vater alle Ehre machen, sondern auch Odin, Tyr und Frigg. Keinesfalls würde sie vor Geirr um Gnade winseln oder versuchen, dem Kampf auszuweichen. Eher hackte sie seinen Körper in Stücke.

Einer der Männer reichte ihr eine Streitaxt. Zuversichtlich griff sie zu und wog sie in der Hand. Mit dieser Waffe konnte sie am besten umgehen. Und dies war der zweite Grund, warum sie von den Männern misstrauische Blicke erntete. Sie galt als eine anerkannte und verdiente Kriegerin. Schon als Mädchen hatte sie im spielerischen Kampf die Jungs besiegt, und beim letzten Überfall an der Südküste des Nordmeers ein halbes Dutzend feindlicher Männer erschlagen. Sie kämpfte besser als so mancher Krieger, doch man sprach davon nicht, denn es war ungewöhnlich, nicht standesgemäß, auch wenn es immer wieder Frauen gab, die die Waffe schneller und treffsicherer schwangen als ein Mann. Dies half den Kriegerinnen aber nur im irdischen Leben, Walhall blieb ihnen stets verwehrt. Ausschließlich einherjer kamen nach Walhall, männliche gefallene Krieger, die von den Walküren zu Odins Hallen geführt wurden. Ausgerechnet von den Frauen, die selbst derart waffenkundig waren, als handele es sich um ein ganzes Heer. Ihr Vater hatte zu seinen Lebzeiten stolz gesagt, seine Tochter kämpfe wie eine Walküre. Arna lächelte beim Gedanken an ihn und der Möglichkeit, eines Tages in Odins Reihen zu sitzen.

Es dauerte, bis die Männer einen Ring um die beiden gebildet hatten. Völsungur stand in vorderster Front, seine Frau wiederum neben ihm, Einar ihnen gegenüber auf der anderen Seite. Es bedeutete, dass Einar mit diesem Urteil keinesfalls einverstanden war, und er zeigte keine Scheu, dies dem yfirmannr öffentlich zu demonstrieren. Doch er blieb in der Minderheit, die meisten hofften darauf, Geirr würde als Sieger hervorgehen. Arna fühlte sich wie in einem bösen Traum gefangen, so als hielte jemand die Zeit an. Völsungurs Hand streckte sich in die Höhe, einige Krähen flogen über sie hinweg, Regen klatschte auf ihre Axt und in ihr Gesicht. Starr hielt sie ihren Blick auf Geirr gerichtet, dessen Muskeln sich anspannten. Die Axt wirkte leicht wie ein Grashalm in seiner riesigen Hand. Schließlich grölte er auf und lief auf sie zu.

Auch Arna schrie. Behände wich sie den ersten Schlägen aus, rollte sich vor ihn, schlug ihm ins Knie und kam hinter Geirr wieder zum Stehen. Geirr brüllte vor Schmerz und Zorn, drehte sich um und hob seine Axt. Arna wich wieder aus und schlug ihre Waffe mit voller Wucht in Geirrs Schulter, sodass sie stecken blieb. Erneut schrie er auf, fiel aber diesmal auf seine Knie und stützte sich auf seine Hände. Erst als Arna innehielt, sah sie das Ausmaß seiner Verletzungen. Sein Bein war abgeknickt, die linke Seite seines Oberkörpers voller Blut, sein Arm hing schlaff herab. Trotzdem hielt er kniend die Axt angriffsbereit in seiner rechten Hand.

»Wir können das hier und jetzt beenden«, rief Arna. »Ich habe nicht gelogen.«

Geirr schien sie gar nicht zu hören, denn wutentbrannt und mit verzerrtem Gesicht versuchte er, aufzustehen, was ihm aber nicht gelang. Während ihr Herz hämmerte, wurde Arna bewusst, dass sie gewonnen hatte, gleichzeitig musste sie Geirr töten. Ihn nun zu verschonen, bedeutete, ihn großer Schande auszusetzen, und sein Platz in Odins Hallen wäre gefährdet.

Mittlerweile taumelte Geirr, fiel hin, griff hinter sich, konnte aber den Stiel der Waffe nicht erreichen. Schwer atmend ging Arna zu ihm, trat ihm mit einem Fuß auf den Rücken und riss die Axt aus ihm heraus. Doch noch immer gab er nicht auf. Röchelnd drehte er sich um, versuchte, seine Waffe zu finden, Arna schleuderte sie jedoch mit ihrem Fuß einige Schritte weg.

»Töte mich!«, rief nun Geirr. »Töte mich, damit ich Walhall betreten kann.«

Arna nickte nur. Mühsam und mit blutverschmiertem Gesicht setzte er sich auf, hielt sich dabei an ihrem Bein fest. Arna ließ es zu, sie konnte ihm unmöglich die letzte Ehre verweigern. Wenn sie es nicht tat, könnte es jemand anderes erledigen, aber er musste im Kampf sterben, um zu seinen Vorfahren zu gelangen. Zwar hatte Geirr versucht, sie umzubringen, doch er blieb ein ehrenhafter Krieger, der es nicht verdiente, in Hel einzukehren, dem Reich, in das jene Männer gelangten, die unehrenhaft gestorben waren. Diesen blieben die Hallen Walhalls für immer und ewig verschlossen.

Als Geirr sie ansah, hob Arna ihre Axt und schlug sie mit voller Wucht in sein Genick. Es krachte, sein Kopf kippte schlaff zur Seite, gefolgt von seinem ganzen Körper, der in sein eigenes Blut fiel. Dann kniete sie sich vor den Leichnam und legte ihre Hand auf sein Haupt. »Trinke mit deinen Brüdern, deinen Vätern und all jenen, die ihr Blut auf den Schlachtfeldern vergossen haben. Stehe dir Walhall offen.«

Längst war es still geworden. Einige Krähen kreischten, Regen plätscherte auf Arnas Kopf, Blut lief an ihren Wangen herab. Langsam drehte sie sich zu Völsungur, umklammerte die Axt und sah ihn nur an. Sein Gesichtsausdruck verriet ihn: Er hätte lieber Geirr siegen sehen. Zu ihrem ersten Affront, seine Macht untergraben zu haben, kam nun hinzu, dass eine Frau einen durch ein Urteil herbeigeführten Zweikampf gewonnen hatte und so offensichtlich von Odin begünstigt wurde. Und den dritten Grund, den vielleicht wichtigsten, kannten nur sie und yfirmannr. Er hatte ebenfalls versucht, sie vor einem halben Jahr zu schänden, doch sie hatte entkommen können. Vielleicht war es seine Scheu vor den Weisungen der völva gewesen, sich zu rächen, sie wusste aber, dass der yfirmannr immer eine endgültige Möglichkeit suchen würde, damit dieses Vergehen niemals ans Tageslicht gelänge.

»Es ist Recht gesprochen worden«, ertönte nun Völsungurs Stimme und vertrieb das Geräusch andauernden Regens für einige Momente. »Es wird kein Urteil mehr geben, das dich wegen Mordes an Geirrs Vetter richtet.«

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Hörbuch

Das Hörbuch zum Reinhören

Foto: Tim Waitschies

Gesprochen von

Tim Waitschies

Ungekürztes Hörbuch

Hörprobe · 4:49 min

Mit freundlicher Genehmigung von Piet Henry Records

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Zum Anfassen, Verschenken, Verleihen. 492 Seiten. ISBN 978-3-7528-6741-1.

Besprochen und bewertet auf Goodreads, ReadO.

Weitere Bände: Die Götter-Saga